Brunnen im Schmuckhof Badehaus 7

Badehaus 7

An der Entstehungsgeschichte des Badehaus 7 ist zu sehen, dass eines der Ziele beim Bau der Bad Nauheimer Badeanlagen die Förderung der heimischen Wirtschaft war, um beispielhaft deren Leistungsfähigkeit zu zeigen und weithin bekannt zu machen. So wurden der Wartesaal und der Innenhof auf der Hessischen Landesausstellung 1908 in Darmstadt auf der Mathildenhöhe ausgestellt und anschließend nach Bad Nauheim versetzt.

Die Wartehalle, ausgekleidet mit Scharffeuerkeramik in den Farbtönen Grau, Braun, Grün und Weiß, zeigt die phantasievolle Schaffenskraft des Architekten Jost. Neckische Triton-Kinder tragen die Deckplatten der Pfeilerkapitelle. Besonderer Blickfang im Badehaus 7 sind die Ornamentfenster mit ihrer mehrfach abgestuften rechteckigen Rahmung. Kunsthandwerklich hochwertige Einzelanfertigungen sind die Leuchten, die Geländer der Balustrade und die Heizungsverkleidungen.

Die Architektur des Atriums wurde durch italienische Vorbilder inspiriert, was an den warmen Ockerfarben der nicht glasierten Terrakotten und der an einen Kreuzgang erinnernden Baugestaltung erkennbar ist. Abwechselnd männliche und weibliche Relieffiguren vor den Pfeilern scheinen unterstützt von den Putti auf ihren Schultern das Dach des Wandelgangs zu tragen.

Die überwältigende Vielfalt der Tiermotive und Schmuckformen bei den Terrakotten lässt ihre serielle Fertigung vergessen. Und es sei hier aus dem Bildband „Jugendstil in Bad Nauheim“ zitiert, in dem es zutreffend heißt: „Was sich da an Wassertieren auf Sockeln oder Kapitellen herumtreibt, wird durch die Künstlerphantasie zu Märchenwesen verzaubert. Besonders schön zu sehen bei den in langer Reihe stoisch mit dem Kopf zur Wand auf den Bänken thronenden Froschfiguren". Die doppelschwänzigen Nixen auf dem Zierbrunnen erinnern an antike Vorstellungen und Renaissanceallegorien einer nährenden und lebensspendenden Allnatur.

Hier ist noch die Faszination spürbar, die in der kurzen Epoche des Jugendstils von den Formen einer allbelebt empfundenen Natur ausging.“