Eines der Fenster beidseitig der Türen zu den Verwaltungsgebäuden

Die Jugendstil-Badeanlage Sprudelhof

Die größte geschlossenen Jugendstilbadeanlage Europas, erbaut zwischen 1905 und 1911 von dem Architekten Wilhelm Jost, gehört zu den bedeutenden Zeugnissen dieser Kunstrichtung. Das Ensemble, ein Gesamtkunstwerk, zeigt in eindrucksvoller Weise die vom Jugendstil angestrebte Verbindung von Architektur, freier und angewandter Kunst sowie Garten- und Platzgestaltung.

In den Grundlinien erinnert der Sprudelhof an barocke Schloss- und Klosteranlagen, in der dekorativen Ausgestaltung ist er jedoch vom Jugendstil geprägt. Den Baustil der Außenanlage mit Mansarddächern, Dachgauben, Dachreitern und Uhrtürmen bezeichnete der Architekt als "frei aufgefassten Barock in einfachen Formen". Jugendstilelemente finden sich besonders in der Gestaltung der Fassaden, Lampen, Balkongeländer, Türen und Fenster, wie in der reichen Ornamentik im Innenbereich. Vielfältige Schmuckelemente weisen auf das heilende Wasser mit Pflanzen, Tieren und Fabelwesen hin. Der geschmeidig schreitende Löwe aus Bronze erinnert an das Wappentier Hessens.

Seinen gestalterischen Freiraum nutzend, schuf Jost eine axiale Anlage, die städtebaulich sowohl den Bahnhof als auch den Johannisberg mit einbezieht. Seine Grundidee war eine künstlerisch anspruchsvolle Fassung der Hauptsprudel. Eine Allee sollte die vom Bahnhof Ankommenden über die großzügige Freitreppe führen, die beidseitig durch die aufwendige Gestaltung der Verwaltungsbauten einen kunstvollen Rahmen erhielt. Die ersten beiden Badehäuser, unter deren Balkonen geschickt die Arkadengänge ansetzen, sollten den Blick in den weiten Hof und Kurpark frei geben.